Mehr Sonne, weniger Diesel

16. November 2018

Dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung aus dem Freiamt konnten im Kinderheim Maison des Anges in Haiti 70 Kinder während sechs Monaten medikamentös behandelt und die Tuberkulose unter Kontrolle gebracht werden. Für das nächste Projekt klettern Miranda Bammert-Zahn und ihr Team aufs Dach.

Sonne gibt’s in Haiti im Überfluss. Da ist es naheliegend, dass man diese Energiequelle prüft. Aktuell wird der gesamte Strom für das Kinderheim in Tabarre, einem Aussenbezirk von Port-au-Prince, mit Dieselgeneratoren erzeugt. Der Strom wird benötigt für Wasserpumpe, Licht, Ventilatoren, Kühl- und Gefrierschränke, Waschmaschinen, Bürogeräte und Klimaanlagen. «Dieselkosten, Betriebsstunden sowie Service- und Unterhaltskosten summieren sich pro Monat auf 4‘000 US-Dollar – ein sehr hoher Betrag, den wir dringend reduzieren möchten», sagt die Aettenschwilerin Miranda Bammert-Zahn. «Darum haben wir zusammen mit einem deutsch-schweizerischen Ingenieurteam, das bereits Solarprojekte in Haiti realisiert hat und mit haitianischen Fachleuten arbeitet, ein Energieoptimierungskonzept erstellt.»

Zwei Drittel Solar-, ein Drittel Dieselstrom
Möchte man den ganzen Strombedarf des Kinderheims mit Solarstrom decken, bräuchte es sehr grosse Speicherbatterien, was zu hohen Investitionskosten führen würde. Die optimale Kombination ist darum, zwei Drittel des Strombedarfs mit Solarenergie und ein Drittel mit Dieselstrom zu decken. Die Dieselkosten könnten rapide gesenkt werden. Es würde sich also lohnen, auf dem Dach des Maison des Anges eine Photovoltaik-Anlage zu installieren. Nun befasst sich das Team mit der Finanzierungsfrage.

Mit lokalen Arbeitskräften
Realisiert würde das Projekt mit lokalen Fach- und Arbeitskräften, unter der Leitung des deutsch-schweizerischen Ingenieurteams. Involviert würden zudem ältere Jugendliche sowie engagierte Mitarbeitende aus dem Kinderheim. Möglichst viele Materialien würden lokal eingekauft. «Aktuell sind wir in der Detailplanung», erklärt Miranda Bammert-Zahn. «Die Realisierung des Projekts ist möglich, sobald die Finanzierung steht. Wir hoffen, dass dies im Frühling 2019 der Fall sein wird und die Anlage im Sommer 2019 in Betrieb genommen werden kann.» Die Investitionskosten belaufen sich auf 50‘000 US-Dollar und umfassen die Projekt- und Planungsarbeiten, das Material sowie die Installation.

Jedes Jahr ein Highlight-Projekt
Die Photovoltaik-Anlage wäre das bisher grösste Projekt im Kinderheim Maison des Anges, das mit Hilfe des 2014 in Aettenschwil gegründeten Fördervereins realisiert würde. «Wir sind zuversichtlich, dass wir mit Hilfe unserer Freundinnen und Freunde aus dem Freiamt auch dieses Projekt stemmen.» Und die umtriebige Vereinspräsidentin BammertZahn zählt stolz drei Projekt-Highlights aus der Vergangenheit auf: «2016 gruben wir mit Hilfe von lokalen Arbeitskräften einen 50 Meter tiefen Brunnen auf dem Heimareal, der heute täglich frisches Wasser liefert, 2017 bauten wir für die älteren Jugendlichen einen eigenen Schlafraum und dieses Jahr konnten wir dank Spenden einen neuen Schulbus kaufen sowie finanzielle und personelle Hilfe im Kampf gegen die plötzlich ausgebrochene Tuberkulose im Kinderheim leisten.»

Freiwillige Präsenz vor Ort
Die Unterstützung des Kinderheims beruht auf hundertprozentiger Freiwilligenarbeit. Jeder einzelne Spendefranken wird direkt vor Ort eingesetzt. Vertreterinnen und Vertreter des Fördervereins reisen auf eigene Kosten jedes Jahr nach Haiti, um die Projekte voranzutreiben und den Einsatz der Mittel zu überprüfen. Die nächste Reise findet noch diesen Monat statt. Im Vordergrund stehen dabei Gespräche im Zusammenhang mit dem Photovoltaik-Projekt. «Es stimmt, mittlerweile bin ich rund um die Uhr freiwillig für den Förderverein im Einsatz. Aber ich habe ein tolles Team, das ebenso mit Herzblut dabei ist, wie ich», meint Miranda Bammert-Zahn zum Schluss.